Virtuos und brachial

Hip-Hop-Nacht im Weikersheimer W71

Bereits zum dritten Mal stand letzten Samstag das Trio Dälek aus New Jersey auf der Bühne des gut gefüllten W71 in Weikersheim. Oktopus, DJ Still und MC Dälek dürften mittlerweile zu den wichtigsten Innovatoren des zeitgenössischen Hip Hop gezählt werden, griffe die Etikettierung nicht zu kurz, um ihr ebenso eigenwilliges wie kompaktes musikalisches Amalgam aus verschiedensten Einflüssen zu fassen.
Vor allem an diesem Abend bewiesen Dälek, dass ihre Version von Hip Hop sich in punkto Brachialität und Virtuosität dramatisch unterscheidet von denen eines Großteils ihrer Kollegen. Auch Körper mit gut geschützten Ohren konnten den raumgreifend hämmernden Bässen aus Oktopus’ Geräten nicht entgehen. DJ Still, der „Jimi Hendrix der Turntables“ (SPEX), setzte elegant seine präzisen Scratches und Cuts, wobei er den analogen seiner beiden Plattenspieler zuweilen so manipulierte, dass er zum Blasinstrument wurde. Mit stoisch anmutender Gelassenheit ließ der massive MC Dälek inmitten des akustischen Massakers seine abstrakten Verse fließen, deren Verständlichkeit leider etwas unter der die Geräte betonenden Abmischung litt. So wurde auch die Stimme primär zum Instrument.
Nicht allein persönliche, sondern auch musikalische Verbundenheit mit Dälek zeigte im Vorprogramm der Schlockmaster alias Felix Weber, der seine teils zum Geräusch verschwimmenden Texte kongenial über Sebastian Löberts Klanglandschaften gleiten ließ und mit einer unorthodoxen Scratchtechnik senkrecht zur Plattenrille überraschte.
Irgendwann in der Nacht waren Dälek zum Flughafen und gen Heimat verschwunden. Zurück blieben nicht nur pfeifende Ohren, sondern auch die Gewissheit, dass das Trio verdient, was der Titel seines Albums mit der Krautrocklegende Faust besagt: „Derbe Respect, Alder“.

Michael Beier
zu Schorles Fotos
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