Sonntag, 15. März 2020, 17.00 Uhr; club w71, Weikersheim
Peter Brötzmann Solo

Peter Brötzmann hat sein Leben lang mit seiner Musik polarisiert. Entweder war man mit oder gegen ihn. Nett war seine Musik jedenfalls nie. In einem Interview zu einem seiner Auftritte mit der US-Experimental-Rockband Oxbow auf dem Moers-Festival 2018 meinte er, er hätte genug davon, immer „that same old free jazz shit“ zu spielen. Nun hat er ein Soloalbum vorgelegt, auf dem er Jazzstandards spielt. Sein Album hat er „I Surrender, Dear“ betitelt.

Wir sind ja der Meinung, dass man Peter Brötzmann schon immer verkannt hat, wenn man ihn nur als den harten Knochen mit dem durchdringenden, markerschütternden Ton gesehen hat. Als den BRÖTZmann. Die gewaltigen Töne, die er uns um und in die Ohren geblasen hat, hatten schon immer – zumindest auch – den Blues. Das war nicht nur Wut und Aufschrei, das war auch Schmerz und Anteilnahme. Und wenn man an die letzten Konzerte zurückdenkt, bei uns im club w71 zuletzt mit Heather Leigh und Toshinori Kondo, dann steht der Schritt, den er jetzt mit seinem Soloalbum vollzieht, gar nicht so sehr im Widerspruch zu seinem bisherigen Schaffen, wie das in der Öffentlichkeit gedeutet wird.
Wir sind gespannt, welche Musik Peter Brötzmann bei diesem Solo am späten Sonntagnachmittag im club w71 spielen wird. In den Linernotes zu seinem Album schreibt er: "Wenn ich im Wald spaziere oder durch eine Stadt schlendere, pfeife ich immer Stücke, die ich mein ganzes Leben im Kopf hatte." Wir freuen uns darauf, zu hören, welche Melodien und Stücke das sind, und wie Peter Brötzmann sie sich zu seinen ganz eigenen macht. Auf jeden Fall dürfe das Konzert mit diesem Giganten am Saxophon eine gute Gelegenheit sein, sich Peter Brötzmann nochmal ganz unvermittelt anzunähern.
(NB)